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Sachbuchtipp: Stefan Bollmann. Frauen, die schreiben, leben gefährlich (2006)

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Kurzporträts von 47 Schriftstellerinnen, von Hildegard von Bingen bis Arundhati Roy, vom Mittelalter bis heute. Kleine Schlaglichter auf weibliches Selbstbewusstsein als Autorin und gesellschaftliche Anerkennung.

Frauen schrieben und schreiben unter anderen Rahmenbedingungen als Männer – bei ihnen erfolgte es immer GEGEN die Erwartungen der Gesellschaft. Was häufig zur Folge hatte, dass sie unverheiratet blieben, ausgestoßen, ohne Anerkennung. Nicht selten waren Depressionen und gar Selbstmord die Folgen. Unter dieser Hypothese jedenfalls hat der Autor und Lektor Stefan Bollmann die Autorinnen in diesem Band versammelt.

Nachzuholen

In seinem umfangreichen Vorwort erläutert Bollmann seine These: Da Frauen erst viel später als den Männern überhaupt gestattet war zu lesen, noch später zu schreiben, könne diese Zeit fast zwangsläufig in der gesellschaftlichen Entwicklung noch nicht ganz aufgeholt sein. Ein Selbstverständnis als Frau und gleichzeitig als Schriftstellerin schließe sich da gegenseitig aus bzw. tat es jedenfalls recht lange. Das Schreiben war eine traditionelle Männerdomäne, in der Frauen erst langsam Fuß fassten.

Als Ahnherrin aller „Bücher-Frauen“ macht Bollmann Christine de Pizan aus, wohl die erste professionelle Schriftstellerin im Mittelalter. Als reiche Witwe schlüpfte sie selber in die Männerrolle und erkämpfte sich so die notwendige Freiheit.

Persönliche Auswahl

Neben den bekannten Namen, die man hier erwarten würde – wie Jane Austen, Virginia Woolf, Sylvia Plath -, finden sich auch, jedenfalls bei uns, weniger bekannte wie zum Beispiel Miles Franklin, eine Australierin, die es trotz vielversprechender Anfänge nicht zu schriftstellerischem Ruhm brachte; unerwartete wie zum Beispiel Johanna Spyri, Autorin der Heidi-Romane, oder Anne Frank, Sophie Scholl und Lilly Jahn, von ihrem Selbstverständnis her keine Autorinnen, aber durch Tagebuch, Flugblätter bzw. Briefe von Bedeutung für unsere deutsche Geschichte.

Lesebuch, keine Biografien

Stefan Bollmann schreibt keine erwartbaren Porträts, Lebensdaten, Veröffentlichungen, die Fakten kann man anderswo nachlesen. Bollmann sammelt Eindrücke, Aussagen, eigene oder die von Zeitgenossen, zum Leben als Frau, zum Leben als Schriftstellerin, zu Selbstverständnis oder Verzweiflung. Das folgt keinem Schema, soll natürlich die These des Buches unterstützen, ist immer persönlich und individuell. Und – in schöner großformatiger Aufmachung – lesenswert, wenn man sich für Schriftstellerinnen interessiert!

Stefan Bollmann. Frauen, die schreiben, leben gefährlich. München: Elisabeth Sandmann Verlag, 2006.

Gebunden im Großformat, auch als Taschenbuch erhältlich.

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