Buchtipps: Sachbuch

Carolin Kebekus. Es kann nur eine geben (2021)

Konkurrenz unter Frauen ist das Thema, dessen sich die Comedienne Carolin Kebekus in diesem Buch angenommen hat. Mit dem Anspruch, ein feministisches Buch zu schreiben, ist sie gestartet. Das ist ihr auch – jedenfalls in der ersten Hälfte des Buches – gut gelungen. Dass es auch humorvoll ist, macht die Lektüre nicht nur erhellend, sondern auch ziemlich unterhaltsam.

Als Komikerin hat Kebekus es scheinbar anfangs oft mit diesem Phänomen zu tun bekommen: Es gab schon eine Frau im Programm, für eine zweite war kein Platz. Eine Alibifrau musste zwar sein, aber nicht mehr. Denn Frauen sind per se nicht lustig, sondern zickig. Und „stutenbissig“. Logisch, wenn es nur eine Einzige schaffen kann. Nämlich nur die Beste und die, die sich die Konkurrenz am besten vom Hals hält. Oder die, die nach den Regeln der Männer spielt, die schafft es dann vielleicht, in einer Firmenhierarchie aufzusteigen.

Männliche Spielregeln

Wo Kebekus von diesen Erfahrungen spricht, wirkt ihr Bericht authentisch, auch vor Selbstkritik scheut sie nicht zurück. Das wirkt ehrlich, wenn sie zugibt, dass auch sie lange Zeit die Spielregeln nicht infrage gestellt hat. Dabei sind das Regeln, die Männer aufgestellt haben. Überall eigentlich. Dafür führt sie zahlreiche Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen an und belegt sie auch häufig mit einer Quelle. Zahlen und Fakten, die teilweise tatsächlich erschreckend sind, wenn man sie in einem feministischen Kontext liest.

Erhellend und unterhaltsam

Auf mich, die ich mich bisher nur vage mit dem Thema befasst habe, war diese Sammlung von Benachteiligungen erschreckend und auch sehr erhellend. Dass Kebekus nicht mit erhobenem Zeigefinger referiert, sondern humorvoll und oft genug mit konkreten Beispielen oder Erfahrungen, macht es umso eindringlicher. Also humorvolle Unterhaltung mit einem Finger in der Wunde, sehr gut so!

Persönliche Leidenschaft

Leider gab es, jedenfalls nach meinem Empfinden, einen Bruch im Buch. Ihre Leidenschaft für Games kommt zwar sehr gut rüber, aber der feministische Blick blieb hier von der Begeisterung getrübt. Das schrecklich irrige Frauenbild, das sich in einer Sphäre findet, die vermeintlich von Männern dominiert ist – das findet sie dann doch gar nicht sooo schlimm. Weil ihr die Spiele trotzdem Spaß machen. Kann das eine Entschuldigung sein? Jedenfalls nicht, wenn man mit dem Anspruch des Feminismus angetreten ist. Hier hat mir leider die Konsequenz gefehlt, die angesprochenen Punkte tatsächlich bis zum Ende zu durchdenken. Das war im ersten Teil wesentlich besser gelungen.

Humorvoll und wichtig

Doch trotzdem: Ein Buch, das humorvoll überaus wichtige Themen anspricht und ein Bewusstsein wecken kann für viele patriarchale Strukturen, die für uns so selbstverständlich sind, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken, dass es natürlich Männer waren, die sie erdacht haben – und häufig genug mit dem Gedanken, Frauen kleinzuhalten. Insofern kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der und vor allem die ihren Blick dafür schärfen möchte. Am Ende schlägt Kebekus auch mögliche Lösungen vor, um zumindest die Konkurrenz unter Frauen abzuschwächen. Und die sind sehr praktisch und durchaus realistisch: Wir müssen z. B. auch endlich besser netzwerken. Denn es kann eben nicht nur eine Frau an der Spitze geben, sondern ganz viele. Denn wir können auch sehr viel, vermutlich haben deswegen die Männer Angst vor Frauen, die etwas zu sagen haben!

Carolin Kebekus. Es kann nur eine geben. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2021.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.